Die Hexe und die Fuhrleute

Das alte Weiblein aus der Hild war wieder einmal unterwegs. Ein Pferdekarren nahte in schnellem Galopp, und das Weiblein bat den Fuhrmann, er möge sie aufsitzen lassen. Der kannte die Alte wohl, fürchtete sie aber nicht und weigerte sich. Schnell zog sie ihr Zauberbüchlein hervor, murmelte geschwind den Hexenspruch und das Fuhrwerk stand unbeweglich. Weder vor- noch rückwärts drehten sich die Räder; so sehr auch der Bauer die Pferde antrieb, wie diese sich auch in die Stränge legten, alles Mühen war vergeblich. Nicht einmal ein Fortschleifen um auch nur wenige Millimeter gelang. Und so stand die Fuhre noch am Abend, als die Hexe heimwärts zog, bis sie durch eine neue Zauberformel den Bann löste. Noch einem zweiten Fuhrmann bewies sie ihre Überlegenheit. Auch er widerstand ihrer Bitte, sie auf einem Fuhrwerk mitzunehmen. Da streckte sie im Zorn die Hand aus. Wie ein Blitz fuhr es dem Erschrockenen über die Augen. Doch als nichts weiter geschah, lachte der Bauer, freute sich seines leichten Sieges und trieb die Pferde zur Eile an. Schon kam ihm ein Fußgänger entgegen und der wich entsetzt zur Seite. Der Bauer hielt an und forschte nach der Ursache. Er musste erfahren, dass sein Gesicht durch blaue Flecken total entstellt war. Unser Fuhrmann wartete nun geduldig, bis das Weiblein nahte. Er nötigte sie zum Aufsitzen und tat gar freundlich. Da hob die Alte wiederum die Hand, wieder fuhr ihm ein Zucken durch das Gesicht und, wie er hoffte und später auch bestätigt fand, die blauen Stellen waren verschwunden.

(Quelle unbekannt)